Jungpflanzen vorziehen ist gar nicht so schwer, und doch schrecken viele Gartenanfänger davor zurück. Schließlich kann man die Pflänzchen ja auch im Gartencenter kaufen, wenn man sie braucht. Oder?
Es hat schon Vorteile, eigene Pflanzen vorzuziehen, die größere Auswahl zum Beispiel: Im Gartencenter gibt es meist nur Standardsorten. Wenn du etwas besonderes suchst, bekommst du oft keine fertigen Pflanzen, sondern Saatgut.

Von vielen Blumen und Gemüsen kannst du auch selber ganz leicht Saatgut gewinnen, das dann natürlich auch rechtzeitig ausgesät werden soll. Viele Gemüse haben eine lange Kulturdauer und in unseren Breiten ist es viel zu lange kalt, um diese Gemüse im Freien direkt aussäen zu können. Chili, Tomaten und Paprika, aber auch viele andere, brauchen eine geschützte Kinderstube.
Nicht zuletzt kannst du mit dem Vorziehen deiner eigenen Pflanzen die Wartezeit, bis es draußen wieder so richtig los geht, enorm verkürzen. Bereits Ende Jänner dürfen die ersten Samen in die Erde und das weckt auch bei uns sowas wie Frühlingsgefühle.
Jungpflanzen vorziehen – du brauchst nicht viel dafür
Für deine ersten Versuche beim Jungpflanzen vorziehen brauchst du nur ein paar saubere Blumentöpfe, etwas Anzuchterde und dein Saatgut. Um künstliche Lichtquellen musst du dir für den Anfang keine Sorgen machen. Schon meine Oma hat alle möglichen Pflanzerln auf der Fensterbank vorgezogen und sie hatte keine Ahnung von Tageslichtlampen und ähnlichem. Schau aber, dass du deinem Pflanzenkindergarten einen relativ kühlen, aber hellen Fensterplatz bieten kannst, das genügt für den Anfang vollauf.


Jungpflanzen vorziehen – wann beginnen?
Vor Ende Jänner brauchst du in unseren Breiten mit dem Jungpflanzen vorziehen nicht beginnen. Das Licht reicht einfach noch nicht aus und die Gefahr besteht, dass deine Pflanzen auf der Suche nach Licht lang und dünn werden: sie vergeilen. Warte also lieber bis Mitte Februar und leg dann los. Chili und Paprika sind meist die ersten Kandidaten für die Anzucht, weil sie relativ lange brauchen, bis die Früchte dann reifen.
Auf jeder Samenpackung findest du Hinweise für die richtige Aussaatzeit. Auch Angaben zur Saattiefe findest du darauf. Die ist von Art zu Art unterschiedlich. Spezialfälle wie Kaltkeimer, deren Samen eine gewisse Kältephase brauchen, gibt’s natürlich auch, aber die gängigen Gemüsearten sind entweder Lichtkeimer oder Dunkelkeimer und sollten bei der Aussaat je nach Anspruch mehr oder weniger mit Erde bedeckt werden. Für selbst gesammeltes Saatgut findest du online zahlreiche Hinweise, wann und wie tief du es aussäen solltest.
Jetzt geht’s richtig los: die Aussaat
Für die Aussaat verwendest du am besten flachere Schalen oder kleine Multitöpfe. Du kannst auch Joghurtbecher dafür verwenden oder ähnliche Behälter.

Füll deine Aussaatgefäße am besten mit gekaufter Kräutererde. Die ist nicht so nährstoffreich und deine Samen können darin gut keimen. Streu die Samen auf die Erde, deck sie je nach Anspruch mit mehr oder weniger Erde zu und gieße sie vorsichtig an, damit die Samen nicht davongeschwemmt werden. Und denk daran, alle deine Aussaatschalen und später die Pflanztöpfe zu beschriften, damit du später noch weißt, wo welche Sorte wächst.

Tipp:
Jetzt gibst du deinen Saatschalen einen Platz auf der Fensterbank. Die meisten Gemüse brauchen es in der Keimphase etwas wärmer, Küchen- oder Wohnzimmertemperatur passt ihnen meist am besten. Wenn deine Pflänzchen gekeimt sind, kannst du sie auch ein wenig kühler stellen, denn je wärmer sie es haben, desto mehr Licht brauchen sie. Und immer schön feucht halten!

Zeit für den ersten Umzug: das Pikieren
Wenn deine Pflänzchen gewachsen sind und die ersten richtigen Blätter zeigen, solltest du sie aus den Saatschalen in eigene Pflanzgefäße umziehen lassen. Diesen Umzug nennt man „pikieren“. Sei dabei ganz vorsichtig und löse die kleinen Pflänzchen und ihre Wurzeln behutsam voneinander. Jede Pflanze bekommt ihren eigenen kleinen Topf. Jetzt kannst du normale Pflanzerde verweden, weil der Nährstoffbedarf deines Nachwuchses jetzt höher ist als in der Keimphase.

Wenn beim Jungpflanzen vorziehen doch einmal etwas schiefgeht und deine Pflanzen zu vergeilen beginnen, kannst du sie retten, indem du sie noch einmal umpflanzt und dabei etwas tiefer einsetzt. Das funktioniert vor allem bei Tomaten und Paprika sehr gut. Dann solltest du sie entweder heller oder kühler stellen, damit sie gut weiterwachsen können.

Raus in die frische Luft – aber vorsichtig!
Wenn es draußen wärmer wird und die Zeichen auf Auspflanzung stehen, wollen auch deine Pflänzchen bald an ihren Bestimmungsort im Garten umziehen. Du musst sie aber zuerst ans Freie gewöhnen! Stell deine Pflänzchen dazu erst tagsüber an einen geschützten Ort im Freien, wo sie es nicht zu kalt haben, aber auch keine direkte Sonne abbekommen. Pflanzen können einen Sonnenbrand bekommen! Solange die Nächte noch kalt sind, musst du sie über Nacht wieder hereinholen. Nach ein paar Tagen kannst du deine Pflanzen langsam an die Sonne gewöhnen.

Auspflanzen: ab ins Beet
Die meisten Gemüsepflanzen solltest du erst ins Beet pflanzen, wenn kein Frost mehr zu erwarten ist. Es gibt aber auch Kandidaten, denen ein wenig Kälte gar nichts ausmacht, Kohlrabi zum Beispiel. Den kannst du schon im März oder April auspflanzen und eventuell mit ein wenig Mulchmaterial oder einem Gartenvlies schützen.

Viel Erfolg beim Jungpflanzen vorziehen – du wirst sehen, dass es wirklich nicht so schwer ist und richtig Spaß macht!
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