Beim jährlichen Rückschnitt von Beerensträuchern, Kräutern oder Ziersträuchern fällt viel Schnittgut an. Daraus lassen sich wunderbar Stecklinge schneiden, mit denen du neue Pflanzen ziehen kannst. Hier erfährst du, wie einfach das geht.
Stecklinge sind kleine Stücke einer Pflanze, die in ein geeignetes Substrat gesteckt werden und dort Wurzeln bilden. Die neuen Pflanzen sind genetisch identische Kopien der Mutterpflanze, haben also auch all deren Eigenschaften. Die Stecklingsvermehrung funktioniert mit vielen Stauden und Sträuchern.
Stecklinge schneiden: diese Pflanzen eignen sich dafür
Nicht alle Pflanzenarten eignen sich gleich gut für das Schneiden von Stecklingen. Andere wiederum wachsen fast wie Unkraut und bewurzeln schon beinahe, wenn du nur einen Abschnitt auf den Boden wirfst. Weiden sind solche Kandidaten: Steck einfach einen Weidenast in die feuchte Erde und er wird nach kurzer Zeit ausschlagen. Das ist natürlich toll, wenn du mehr Weiden pflanzen möchtest, aber weniger gut, wenn du eigentlich vor hattest, einen Weidenzaun zu bauen, die verwendete Äste aber noch zu frisch waren …
Über Stecklinge lassen sich zahlreiche Pflanzenarten vermehren:
- grüne Zimmerpflanzen wie Pothos, Bogenhanf und Gummibaum
- blühende Pflanzen wie Rosen, Hortensien und Geranien
- Kräuter wie Basilikum, Minze, Lavendel und Rosmarin
- Obst wie Feigenbäume oder Ribiselsträucher
- Ziersträucher wie Weide oder Forsythie
Stecklinge schneiden – so geht’s
Zum Schneiden von Stecklingen brauchst du eine scharfe Gartenschere oder ein scharfes Messer. Du solltest sicherstellen, dass dein Werkzeug sauber ist – und wenn du vorher damit kranke Pflanzenteile abgeschnitten hast, solltest du es sogar desinfizieren, um das Risiko von Infektionen zu minimieren.
Wähle gesunde, kräftige Triebe von der Mutterpflanze aus, die noch nicht verholzt sind. Die Triebe sollten etwa 7 – 15 cm lang sein und zwei bis drei Blattpaare haben. Beim spätwinterlichen Rückschnitt von Ribiseln, Weide und Co lege ich mir immer die schönsten Zweige beiseite und mache daraus Stecklinge. Die haben um diese Jahreszeit natürlich keine Blätter, aber sie haben sogenannte „Augen“, das sind die Stellen, an denen sie später austreiben.
Schneide den Steckling direkt unterhalb eines Blattpaares oder eines Auges ab. Entferne, wenn vorhanden, die unteren Blätter, damit keine Blätter das Substrat berühren, wenn der Steckling eingepflanzt wird.
Stecke den Steckling in ein vorbereitetes Substrat, zum Beispiel eine Mischung aus Erde und Sand. Der Steckling soll guten Erdkontakt haben. Gieße den Steckling vorsichtig und stell ihn an einen geschützten und hellen Ort, aber nicht in die pralle Sonne. Mein Pflanzenkindergarten hat seinen Platz im Schatten unter der Weinlaube. Da verdunstet nicht so viel Gießwasser und die Erde bleibt feucht.
Nun brauchst du nur noch Geduld haben: Nach einigen Wochen sollten sich Wurzeln bilden und der Steckling beginnt zu wachsen. Wenn sich neue Triebe bilden, war die Bewurzelung erfolgreich.
Tipps
- Tauche die Schnittstellen deiner Stecklinge in Holzasche, um die Bewurzelung zu fördern.
- Sei geduldig und gib den Stecklingen Zeit, um Wurzeln zu entwickeln und zu wachsen.
- Viele Pflanzen bilden auch Wurzeln, wenn du sie nur ins Wasser stellst. Versuch es mit Zimmerpflanzen wie Grünlilien oder mit Kräutern wie Lavendel oder Minze. Auch mit den Trieben von Süßkartoffeln und Paradeisern funktioniert das wunderbar. Wenn die Triebe Wurzeln gebildet haben, kannst du sie ganz normal einpflanzen.
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